Der innere Dialog: Die Arbeit im Orchestergraben
Im normalen Wachbewusstsein finden innere Dialoge fast ständig statt – sie sind ein natürliches Phänomen der menschlichen Psyche. In der Psychosynthese nutzen wir diese Veranlagung ganz bewusst als zentrale Methode, um uns selbst besser zu verstehen und unser Leben aktiv zu gestalten.
Vom unbewussten Rauschen zur bewussten Verständigung
Stelle Dir den Raum Deiner Innenwelt als einen Orchestergraben vor. Bevor ein Konzert beginnt, hört man dort oft ein wirres Durcheinander: Ein Instrument stimmt sich ein, ein anderes spielt eine einsame Melodie, ein drittes verharrt in der Stille. Ohne Führung bleibt dieses Geschehen ein unzusammenhängendes Rauschen.
Die Methode des Dialogs
Die Arbeit im Orchestergraben ist der Ort, an dem der Dirigent (Dein Ich) direkt mit den einzelnen Musikern (Deinen Teilpersönlichkeiten) in Kontakt tritt.
- Wahrnehmen und Würdigen: Wir steigen bewusst in den Orchestergraben hinab. Statt eine störende Stimme zu unterdrücken, begegnen wir ihr mit Liebe und Mitgefühl. Wir fragen den „Musiker“: „Was ist dein Anliegen? Was brauchst du, um deinen Teil zur Harmonie beizutragen?“
- Stimmen der Instrumente: Durch diesen methodischen Dialog werden innere Blockaden in wertvolle Ressourcen verwandelt. Der geschickte Wille hilft dabei, die Saiten so zu spannen, dass sie weder reissen noch erschlaffen, sondern ihren reinen Ton finden.
- Vorbereitung auf die Synthese: Im Orchestergraben wird die Zusammenarbeit geübt. Hier wandelt sich der innere Widerstreit in ein kooperatives Miteinander.
„Der bewusste Dialog im Orchestergraben ist die Brücke, auf der wir unsere inneren Widersprüche in eine schöpferische Zusammenarbeit führen.“
Durch diese methodische Arbeit im Inneren hören wir auf, ein Spielball unserer Impulse zu sein, und bereiten den Boden für das grosse Konzert der Synthese vor.